
Der vorliegende Beitrag beschreibt die restaurative Versorgung eines 31 Jahre alten Mannes mit Verlust der vertikalen Relation (Bisshöhe). Nach Bisshebung erfolgte die Restauration aller 28 Zähne mit VITABLOCS Mark II (Fa. VITA Zahnfabrik, Bad Säckingen) chairside mit dem CEREC 3D System (Fa. Sirona Dental Systems, Bensheim).
Das Ziel war die Wiederherstellung der Ästhetik und der Okklusion in Statik und Dynamik mit einem Material mit schmelzähnlichen Eigenschaften.
Im September 2006 stellte sich der damals 31-jährige Patient mit dem Wunsch zur Verschönerung seiner Frontzähne in unserer Praxis vor. Er zeigte einen guten Allgemeinzustand und berichtete im Vorgespräch über keine nennenswerten Probleme.
Die Schneidezähne im OK und UK zeigten starken Schmelzverlust (Attritionen) mit freiliegendem Dentin (Dentinexposition). Das gleiche Bild zeigte sich an den Eck- und Backenzähnen mit teilweise unzureichenden Füllungen. Die Kombination von Attrition und insuffizienten Füllungen verursachte den Verlust an Bisshöhe. Der bei der Eingangsuntersuchung vorgefundene Zahnstatus ist in den Abbildungen 1-6 dargestellt. Der Patient berichtete außerdem über ein Knacken im rechten Kiefergelenk. Das Orthopantomogramm1 (OPG) Abb.7 zeigte einen unauffälligen Befund. Es wurden Situationsabformungen von OK und UK mit Alginat genommen.
Nach dem Studium der Situationsmodelle und dem provisorischem Wax-Up Abb.8-12 wurde folgender Behandlungsplan entwickelt:
Bei der Manuellen Strukturanalyse (MSA) zeigte sich beim Schließen ein Knackgeräusch im rechten Kiefergelenk, das durch Kompression intensiver wurde und etwas später auftrat. Bei der Seitwärtsführung des Unterkiefers nach rechts und links kam es ebenfalls zu einem Knacken im rechten Gelenk. Sowohl beim Öffnen aus der Kopfbissstellung bzw. Mesialokklusion kam2 es zu einem Knacken. Daraus ergab sich die Verdachtsdiagnose einer Verlagerung der Gelenkscheibe nach vorne mit Zurückführung in die Normallage im Schlussbiss im rechten Kiefergelenk. Da keine Unterkieferposition gefunden werden konnte, bei der es nicht knackte, wurde auf eine weiterführende Diagnostik und eine Repositionstherapie verzichtet.
Die Kompression der bilaminären Zone3 bzw. Zug und Seitwärtsverschiebung der Gelenkkapseln waren ohne Befund.
Die Wiederherstellung der vertikalen Dimension und der beidseitigen Eckzahnführung erfolgte mit einer adjustierten Aufbissschiene, die in zentrischer Kondylenposition angefertigt wurde. Der Patient wurde angewiesen, die Schiene den ganzen Tag über zu tragen. Die gesamte Tragedauer der Schiene bis zur Anfertigung der provisorischen Versorgung belief sich auf 2 Monate. Während der Schienentherapie wurde zur Bestimmung der definitiven Bisshöhe ein Fernröntgenseitenbild (FRS) angefertigt Abb.13 :
Nachdem der Patient die Wiederherstellung der vertikalen Dimension sowie der beidseitigen Eckzahnführung durch die Schiene akzeptiert hatte, erfolgte der Übergang von der Schiene in die provisorische Versorgung in definitiver Bisshöhe.Es wurden noch mal zwei Situationsabformungen genommen, mit Superhartgips ausgegossen und in zentrischer Kondylenposition in den Artikulator montiert. Dann wurde das OK-Modell bis zum ersten Vorkontakt abgesenkt und die Position der übrigen Zähne kontrolliert. Der Vorkontakt wurde eingeschliffen. Da die Bisssperrung durch den Vorkontakt minimal war, wurde nicht weiter eingeschliffen. Als nächstes wurde das Artikulatoroberteil um den in der Fernröntgenanalyse ermittelten Wert angehoben. In dieser Position wurde vom Zahntechniker das definitive Wax-Up Abb. 14-18 mit Front-/Eckzahnführung hergestellt, die Modelle dubliert und Tiefziehfolien (Erkolen, Fa. Erkodent) angefertigt.
In zwei Sitzungen wurde zunächst der OK mit Hilfe der Tiefziehfolie mit adhäsiv befestigten Provisorien (ProTemp, Fa. 3M Espe) versorgt. Die OK-Provisorien wurden an die adjustierte Aufbissschiene im UK angepasst Abb.19, 20, 21. In gleicher Weise wurde der UK einen Tag später versorgt mit dem Ergebnis, dass sich nun die beiden Kiefer in zentrischer Kondylenposition zueinander und in definitiver Bisshöhe befinden Abb. 22-26. Die Front-/Eckzahnführung wurde ebenso in die Provisorien eingebaut. Im Folgenden wurde die provisorische Versorgung Schritt für Schritt in die definitive Versorgung umgesetzt.
Die definitive Versorgung erfolgte nun chairside Schritt für Schritt mit vollkeramischen Einzelzahnrestaurationen aus VITABLOCS Mark II Blöcken mit dem CEREC 3D System. Das einmalige Feinstrukturgefüge der Mark II Keramik sowie der industrielle Sinterprozess bei über 1.100 °C schaffen die Basis für spürbare Vorteile wie gute Polierbarkeit und hervorragende Abrasionseigenschaften der Restaurationen. Die Restaurationen aus VITABLOCS sind so „weich", dass der Antagonist die Keramik poliert und dabei selbst genauso wenig abnutzt wie der natürliche Schmelz. Schädliche Schmirgeleffekte werden dadurch vermieden.
Mit dem CEREC 3D hat der Zahnarzt die Möglichkeit, den Mund als Artikulator zu benutzen, da man sowohl die statische als auch die dynamische Okklusion in das System übertragen kann. Mit dem Korrelationsmodus kann er vorhandene Zahnformen auf die neue Restauration übertragen.
Im hier vorgestellten Fall wurden z.B. im ersten Quadranten vom Zahn 14 bis zum Zahn 17 Teilkronen angefertigt. Für die statische Okklusion wurde ein Biss mit MetalBite (Fa. R-dental, Hamburg) genommen und eingescannt. Für die dynamische Okklusion wurde FGP -Wachs (FGP4-Wachs nach Dr. Griesbeck, Fa. Schuler Dental) im 52 °C warmen Wasserbad 20 Sekunden erwärmt, auf die präparierten Zähne - die Antagonisten wurden vorher mit Vaseline isoliert - gedrückt und der Patient aufgefordert, wie auf einem Kaugummi darauf rumzukauen, bzw. den UK nach links, nach rechts und nach vorne zu schieben. Das so ausgeformte Registrat wurde, ohne es von den Stümpfen zu nehmen, gepudert und eingescannt. Nun hat man alle okklusalen Informationen zum Konstruieren der Teilkronen. Nach dem Ausschleifen aus VITABLOCS Mark II Blöcken wurden diese adhäsiv mit Syntac (Fa. Ivoclar Vivadent, Schaan/Liechtenstein) und Z100 (Fa. 3M Espe, Seefeld) befestigt.
Die OK-Front (13-23) wurde im Korrelationsmodus angefertigt. Dazu wurde vor dem Präparieren die provisorische Versorgung gepudert und eingescannt, dann die Präparation eingescannt. Nun kann man die Ausgangssituation für die neue Restauration 1:1 übernehmen. Nach dem Ausschleifen aus den VITABLOCS Mark II wurden die Restaurationen im Vita Vacumat 40T glasiert und ebenfalls adhäsiv eingesetzt.
Die UK-Front wurde im indirekten Verfahren hergestellt. Dazu wurde die Präparation (32-42) mit Impregum (Fa. 3M Espe, Seefeld) abgeformt und mit Scangips (esthetic-base Gold, Fa. Dentona) ausgegossen. Nun wurde die Präparation und das Wax up eingescannt. Die Veneers wurden im Korrelationsmodus konstruiert und aus VITABLOCS Mark II ausgeschliffen. Diese wurden vom Zahntechniker labial und inzisal reduziert und mit VITA VM9 Massen individualisiert und anschließend ebenfalls adhäsiv befestigt. Die Abb. 27-32 zeigen die fertigen Restaurationen bei der ersten Kontrolle, drei Monate nach dem Eingliedern.
Der hier vorgestellte Fall zeigt die komplexe Versorgung des gesamten Gebisses mit vollkeramischen Restaurationen.
Mit den VITABLOCS Mark II Blöcken und dem CEREC 3D System hat man die Möglichkeit funktionelle und ästhetische Restaurationen direkt am Patienten zu fertigen. Bei o.g. Fall war im Anschluss an die Behandlung eine Aufbissschiene für die Nacht zum Schutz der Restaurationen geplant. Da der Patient mit der neuen Bisssituation aber gut zurechtkam, wurde in Absprache mit dem Patienten darauf verzichtet. Dieses Vorgehen kann aber generell nicht empfohlen werden, da der Langzeiterfolg solch umfangreicher Therapien erst abgewartet werden muss bzw. bisher keine klinischen Studien dazu vorliegen. Aufgrund der guten Erfahrungen mit CEREC Restaurationen aus VITABLOCS Mark II Blöcken - in unserer Praxis werden ca. 500 Restaurationen pro Jahr angefertigt - sind wir dieses Risiko jedoch eingegangen.
Gemeinschaftspraxis
Dres. med. dent. Brunner & Maurer
Dr. med. dent. Thomas Brunner
Hauptstr. 33
94258 Frauenau
Tel.-Nr.: 09926 1755
1 Diagnostisch aussagekräftige Röntgen-Aufnahme (Panoramaschichtaufnahme) vom gesamten Ober- und Unterkiefer, das alle Zähne nebst angrenzender Kieferbereiche, beide Kiefergelenke und ebenso die rechte und die linke Kieferhöhle abgebildet.
2 Verschiebung des Unterkiefers nach vorn im Sinne einer echten Progenie
3 Halteapparat des Diskus am hinteren Anteil der Gelenkscheiben
4 FGP = Functionally Generated Path
